Die Kunst des Kompostierens

Die Arbeitsgemeinschaft für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise veranstaltete am 17. und 18. Februar ein Seminar mit dem bekannten österreichischen Kompostexperten Florian Amlinger. Die 25 Teilnehmer lernten darin die biologischen und bodenkundlichen Grundlagen der Kompostierung genauso wie die technischen Kniffs und Methoden zur Lenkung des Kompostierprozesses.

F: Herr Amlinger, warum sollte man überhaupt kompostieren?

A: Weltweit leiden die landwirtschaftlichen Böden unter Humusschwund. Das führt über eine Verarmung des Bodenlebens zu einer sinkenden Ertragsfähigkeit der landwirtschaftlichen Böden. Diesen Prozess können wir nur durch eine Düngung mit Reifkompost umkehren. Damit können wir einen humosen Boden mit einer hohen Widerstandskraft gegen Trockenheit, Verschlämmung oder Versauerung erhalten. Das ist die wesentliche Basis für gesunde Kulturpflanzenbestände.

Nebenbei enthält reifer Kompost sehr viel Kohlenstoff, so dass ich mit jeder Tonne Kompost 250 kg klimarelevanteCO2-Emissionen vermeiden kann!

 

Nun haben bei uns viele Grünlandböden sehr hohe Humusgehalte. Sollen solche Böden überhaupt gedüngt werden?

Grundsätzlich muss jeder Bauer seine Wiesen beobachten. Wenn sich Menge und Qualität in einem ausgewogenem Gleichgewicht befinden, muss er vielleicht über eine gewisse Zeit überhaupt nicht düngen. Ansonsten eignet sich gerade auf Grünland, wo man Dünger nicht einarbeiten kann, gut ausgereifter Kompost am besten. Er fördert eine ausgeglichene Pflanzenzusammensetzung, reich an Kräutern und Kleearten, das Futter bleibt sauber, es gibt keine Stickstoffverluste durch Ausgasung oder Auswaschung. Kompost fördert auch die Belebung und damit die bessere Durchlüftung des Oberbodens und wirkt so wieder der Versauerung entgegen. Ganz im Gegensatz zur Gülle!

 

Viele Bergbauern haben bei uns eher zu viel Mist als zu wenig. Was sollen sie damit tun?

Kompostieren! Durch eine sorgfältige Kompostierung binde ich den Stickstoff in die Ton-Humus-Komplexe ein. Ich erhalte damit einen Humusaufbau mit allen positiven Auswirkungen auf Wasserspeicherfähigkeit und Pflanzengesundheit. Eine Überdüngung ist damit praktisch ausgeschlossen. An die Pflanzen wird nur das abgegeben was sie brauchen, es gibt praktisch keine Verluste. Wenn’s aber beim Düngen stinkt habe ich einen Fehler gemacht: Ammoniak verduftet im wahrsten Sinne in die Luft.

 

Können Sie das ein bisschen näher erläutern? Was braucht es an Maschinen, an Flächen, wie lange dauert die Kompostierung?

Naja, das hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Nehmen wir einmal einen Betrieb mit 15 Großvieheinheiten an. Da reicht die einfachere Feldrandkompostierung aus. Dabei wird der Mist mit etwas Grünschnitthäcksel und ca. 10% lehmiger Erde gemischt und in dreieckigen Mieten von ca. 2,5m Breite aufgesetzt. Da braucht es ca. 400 m² Kompostplatz auf einem Feldrand. Der Platz sollte etwa 3% Neigung Richtung Feld haben, damit Oberflächenwasser ablaufen kann. Bei regelmäßigem Wenden und guter Rotteführung ist der Kompost in etwa drei bis vier Monaten fertig. So kann der Platz dreimal im Jahr genutzt werden. An Maschinen braucht es neben einem Traktor mit Frontlader vor allem eine Kompostwendemaschine. Die ist unerlässlich, um den Kompost von Zeit zu Zeit zu belüften. Zur Kontrolle des Rottevorgangs sollte auch eine Temperatursonde und ein CO2-Messgerät vorhanden sein. Betriebe, die deutlich mehr Material kompostieren, müssen allerdings professioneller arbeiten: Da müssen die Kompostflächen befestigt sein, das Oberflächenwasser muss aufgefangen werden. Es braucht Flächen für Rohmaterial und fertigen Kompost und eine durchdachte Anordnung derselben.

 

Viele Bauern haben auf Flüssigmist umgestellt. Kann man Gülle irgendwie „kompostieren“?

Hier muss man einfach sagen: die Güllewirtschaft ist ein Kardinalfehler, ein Unfall der Landwirtschaft des 20. Jahrhunderts! Eigentlich ist Gülle eine Folge der sozialen-ökonomischen Probleme in der Landwirtschaft. Immer weniger Menschen leben auf den Höfen. In der Folge „musste“ die Stall- und Mistbewirtschaftung vereinfacht werden. Das ist der eigentliche Ausgangspunkt der Güllewirtschaft. Kein Mensch, der an die Qualität von Boden und Kulturpflanzen denkt, würde freiwillig von Festmist auf Gülle umstellen!

Es gibt schon eine Reihe von Maßnahmen, um Fehlgärungen und Stickstoffverluste zu reduzieren bzw. die Gülle bereits während der Lagerung gewissermaßen „stabiler, ruhiger“ zu machen.

Dazu gehören neben dem Belüften und Mischen die Zugabe von Strohmehl, Gesteinsmehl, Biokohle oder Reifkompost, all das am besten schon im Stall. Ich fördere damit auch eine geordnete aerobe mikrobielle Besiedlung der Gülle. Auch die Zugabe der biologisch-dynamischen Kompostpräparate hat sich sehr bewährt. Aber wie gesagt: das sind technische Maßnahmen um eine aus einer grundsätzlichen Fehlentwicklung resultierende Notsituation zu lindern.

Zur Frage der Kompostierung gibt es praktisch zwei Wege: Entweder man verwendet die Gülle als stickstoffreiche „Bewässerung“ zur Kompostierung von Stroh oder fein geschreddertem Strauchschnitt – in der Praxis wird sich das aber aus logistischen Gründen schwierig gestalten. Eine zweite Möglichkeit ist die Separierung. Dabei bleibt ein Gutteil des löslichen Stickstoffs in der flüssigen Phase („Jauche“) und die separierte Gülle kann wieder gemeinsam mit Stroh und/oder gehäckseltem Grünschnitt kompostiert werden.

 

Noch ein Wort zu Ihrer Tätigkeit in Österreich: Sie sind Kompostberater. Was kann man sich darunter vorstellen?

Nun, ich berate Gemeinden und Gemeindeverbände, bei der Organisation der getrennten Sammlung und Verwertung von Grünschnitt und Bioabfällen; wir planen in der Folge auch landwirtschaftliche und kommunale Kompostanlagen und helfen bei der Einreichung und Genehmigung. Dabei handelt es sich immer um die klassische, qualitätsorientierte offene Mietenkompostierung. Daneben betreuen wir im In- und Ausland Kompostanlagen in der Qualitätssicherung und waren immer wieder in die Erarbeitung von nationalen Konzepten und Gesetzen im Bereich Bioabfallwirtschaft und Kompostierung eingebunden.

 

Weil Sie von Kompostqualität gesprochen haben: Woran erkenne ich einen guten Kompost?

Guter Kompost besteht zu einem großen Teil aus lebendverbauten Aggregaten („Krümelstruktur“). Diese sollten elastisch sein, also auf leichten Druck nachgeben und dann wieder zurückfedern. Er enthält möglichst keine Teile der Ausgangssubstanzen mehr - alles sollte umgesetzt sein. Er sollte weder trocken noch nass sein, nur leicht erdfeucht. Er sollte auch keinen Geruch haben, höchstens etwas frisch riechen. Auch nicht nach Walderde! Denn Walderdegeruch bedeutet, dass die Pilze noch am Arbeiten sind und Zellulose abbauen. Ein Kompost, der noch nicht „krümelt“ sollte dann noch umgesetzt werden, wobei eine gute Feuchtigkeit (ausgepresster Schwamm) und die Abdeckung besonders wichtig sind. Damit verhindert sowohl Austrocknung wie unkontrollierte „Beregnung“.

 

Interview: Christian Drescher, Arbeitsgemeinschaft für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise

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Arge für biodynamische Wirtschaftsweise

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